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Darf man auf dem Balkon grillen?

Läutet der Sommer erst einmal die warmen, sonnenhellen Tage ein, beginnt für viele die Grillsaison. Spielt das Wetter hingegen nicht mit und zeigt sich wechselhaft, schickt es sich auf dem Balkon zu grillen, da man bei einem Schauer schnell im Trockenen ist. Mieter und Eigentümer einer Wohnung, die einen Balkon besitzen, können diesen zwar zum Grillen nutzen, müssen jedoch damit rechnen, dass sich einige Nachbarn durch die Rauchentwicklung und den entstehenden Geruch gestört fühlen und sich beschweren. Somit stellt sich die Frage, darf man auf dem Balkon grillen und was ist eigentlich erlaubt? Wie sieht die Rechtslage aus?

Im Miet- und Wohnungsrecht wurden keine konkreten Regeln festgelegt, dafür gibt es eine Vielzahl an Gerichtsentscheidungen. Aus den Urteilen lässt sich ersehen, dass sie durchaus voneinander abweichen und die Richter meist eher großzügig dem Grillen gegenüber sind und schlicht etwas mehr Toleranz und Nachsicht von den genervten Nachbarn verlangen. Das allgemeingültige Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme ist somit der entscheidende Faktor. Als begeisterter Freund von frisch gebrutzelten Leckereien sollte man allerdings die Nerven seiner Mitmenschen nicht überstrapazieren und die Qualmentwicklung eventuell mit Folie und Alu-Schalen eindämmen. Zudem kann man den Nachbarn, durch eine vorherige Ankündigung die Möglichkeit einräumen, sich vor Rauch- und Geruchsbelästigung zu schützen. Auf der anderen Seite sollte man als Nachbar das Grillvergnügen nebenan oder unter einem „durchstehen“, freilich nicht grenzenlos.

Einzelfälle – Urteile zum Thema Grillen

Mieter und Wohnungseigentümer dürfen in der Regel auf ihrem Balkon oder Terrasse grillen. Laut des Landesgerichts Stuttgart ist das dreimalige Grillen im Jahr für jeweils zwei Stunden gestattet. Der dabei entstehende Qualm, sei von den anderen Bewohnern des Hauses hinzunehmen (Landgericht Stuttgart, Az. 10 T 359/96), da das Grillen eine in der Sommerzeit übliche Art der Zubereitung von Speisen darstellt. Jedoch darf man hierzu keinen Holzkohlegrill benutzen, da der Rauch und Dunst eines solchen Gerätes, die anderen Mitmenschen stören könne (Amtsgericht Hamburg, Az. 40 C 229/72). Anderer Ansicht diesbezüglich ist das Amtsgericht Bonn und entschied am 29. 04. 1997 (Az. 6 C 545/96), dass ein Mieter durchaus einen Holzkohlegrill verwenden könne, solange er diesen nur einmal im Monat in Betrieb nimmt und dies den anderen Bewohnern des Hauses 48 Stunden zuvor ankündigt.

Grillen auf dem Balkon – der Vermieter entscheidet

Vermieter haben jedoch die Möglichkeit, um Beschwerden und Streitereien zwischen Mietern zu umgehen, das Grillen auf dem Balkon zu untersagen (Landgericht Essen, Az. 10 S 438/01, Urteil vom 07.02.2002). Als Mieter läuft man somit Gefahr eine Kündigung einstecken zu müssen, sollte man, auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses auch nach einer Abmahnung, wiederholt seinem Grillvergnügen nachgehen und sich dem im Mietvertrag festgelegten Verbot oder der Hausordnung querstellen.

Der Holzkohlegrill, das Aus fürs Grillen?

Nicht nur der Qualm und Ruß, die in konzentrierter Form sogar einen Verstoß gegen das Immissionsschutzgesetz darstellen, rechtfertigen das Verbot eines Holzkohlegrills, sondern auch die Feuergefahr. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Grill auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten steht. Wird der Nachbar durch den Rauch erheblich beeinträchtigt und muss ihn einatmen, ist Grillen verboten. Eine solche übermäßige Beeinträchtigung des Nachbarn durch dichten Rauch, kann sogar eine Ordnungswidrigkeit darstellen und zu einer Geldstrafe führen. Geruchsbelästigungen aber muss der Nachbar aufgrund des Gebots der gegenseitigen Rücksichtnahme aushalten.

Dürfen Eigentümer ausnahmslos entscheiden?

Ferner steht es der Wohnungseigentümergemeinschaft einerseits zu, per Mehrheitsbeschluss das Grillen auf dem Balkon zu untersagen, insofern Gerüche und Qualm andere Wohnungseigentümer beträchtlich stören würden, weil sie ihre Wohnung nicht lüften könnten und Balkontüren und Fenster geschlossen halten müssten. Andererseits darf die Wohnungseigentümergemeinschaft das Grillen mit einem Holzkohlegrill durch einen Mehrheitsbeschluss nicht ohne Weiteres erlauben. Der Balkon gehört zum Sondereigentum und darf folglich nur in der Weise genutzt werden, dass dadurch keinem anderen Mitbewohner beziehungsweise Eigentümer ein Nachteil entsteht (Amtsgericht Wuppertal, Az. 47 UR II 7/76 und Landgericht Düsseldorf, Az. 25 T 435/90).

Grillen ohne Rauch

Auf der sicheren Seite befindet man sich, wenn man für frisch gebrutzeltes Grillgut einen Elektrogrill benutzt und mit Alu-Schale arbeitet. Zudem stellen die zeitlichen Vorgaben, wie man es vielleicht schon gehört hat, und die von zweimal monatlich zwischen 17 und 22.30 Uhr (Landgericht Aachen) über zweimal monatlich zwischen April und September, bis hin zu maximal sechs Stunden pro Saison reichen, reine Einzelfallentscheidungen dar.